Ethylenoxid in Verpackungen, Paletten und Folien: Warum der logistische Kontext wichtig ist
Wenn es um Ethylenoxid (EtO) in der Gesundheitslogistik geht, richtet sich die Aufmerksamkeit oft auf das Medizinprodukt selbst. Doch auch Verpackungen, Paletten, Stretchfolie und logistische Abläufe spielen bei einer möglichen Exposition eine wichtige Rolle. Denn die Art und Weise, wie Güter verpackt, gelagert und verarbeitet werden, bestimmt nämlich, wo EtO freigesetzt werden kann und welche Tätigkeiten im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung und der Expositionsuntersuchung besondere Aufmerksamkeit erfordern.
Warum bestimmen Verpackungen und Paletten das Expositionsrisiko?
EtO gelangt nicht als loser Gefahrstoff in ein Lager, sondern als Teil von mit EtO sterilisierten Medizinprodukten. Dadurch ist die Quelle einer möglichen Exposition weniger offensichtlich als bei vielen anderen Gefahrstoffen. Bei logistischen Abläufen arbeiten die Mitarbeiter zudem vor allem mit:
- Kartons
- Stretchfolie
- Paletten
- Kisten
- Schalen
- Etiketten
- Umverpackungen
Diese Logistikmaterialien bestimmen, wie lange EtO ausgasen kann und zu welchen Zeitpunkten Mitarbeiter damit in Kontakt kommen können.
Inwiefern beeinflussen Verpackungen die Ethylenoxid-Emissionen?
Die Verpackung bestimmt maßgeblich, wie sich EtO um ein Produkt herum verhält. Eine geschlossene Palette, fest gewickelte Stretchfolie oder ein vollständig verschlossener Karton halten das Gas anders zurück als eine geöffnete Verpackung oder ein Produkt, das umverpackt wird. Dadurch können die Konzentrationen lokal variieren, obwohl dieselben Produkte verarbeitet werden. Zu den Einflussfaktoren zählen unter anderem:
- Verpackungsart
- Menge des Verpackungsmaterials
- Lagerdauer
- Palettenaufbau
- Luftzirkulation
- Zeitpunkt, zu dem die Verpackungen geöffnet werden.
Bei welchen logistischen Tätigkeiten kann EtO freigesetzt werden?
Nicht jeder logistische Vorgang birgt das gleiche Risiko. Bei folgenden Tätigkeiten ist besondere Vorsicht geboten:
| Arbeitsschritt | Grund |
| Entladen von Waren | Große Mengen an mit EtO sterilisierten Produkten treffen gleichzeitig ein |
| Öffnen von Kartons | Mögliche Freisetzung von angesammeltem EtO |
| Entfernen von Stretchfolie | Veränderung der Luftströmungen um Paletten herum |
| Umpacken oder Etikettieren | Längeres Arbeiten mit geöffneten Verpackungen |
| Qualitätskontrolle oder Stichprobenentnahme | Direkter Kontakt mit geöffneten Verpackungen |
| Bearbeiten von Retouren | Unbekannte Lagerdauer und Produktgeschichte |
| Vorläufige Einstufung | Große Mengen in der Nähe der Arbeitsplätze |
Warum reichen allgemeine Hallenmessungen allein nicht immer aus?
In großen Lagerhallen wird häufig nur die durchschnittliche Konzentration in der gesamten Halle betrachtet. Dies vermittelt jedoch nicht immer ein realistisches Bild der tatsächlichen Exposition. Die Mitarbeiter halten sich nämlich nicht über das gesamte Gebäude verteilt auf, sondern arbeiten an bestimmten Orten, wie zum Beispiel:
- Laderampen
- Kommissionierbereiche
- Sortierbereiche
- Qualitätssicherungsräume
- Bereitstellungszonen.
Gerade an diesen Hotspots können vorübergehend höhere Konzentrationen auftreten. Daher ist es wichtig, Messungen an den Orten durchzuführen, an denen die Mitarbeiter tatsächlich arbeiten.
Wie erfasst ein Lager diese Risiken?
Eine praktische Bestandsaufnahme beginnt mit fünf Fragen.
- Welche Warenströme könnten mit EtO in Zusammenhang stehen?
Erstellen Sie eine Bestandsaufnahme der Produkte oder Produktgruppen, die mit Ethylenoxid sterilisiert wurden. - Wo werden Verpackungen geöffnet?
Erfassen Sie alle Standorte, an denen Kartons, Folien oder Umverpackungen entfernt werden. - Wo werden große Mengen vorübergehend gelagert?
Prüfen Sie Bereitstellungsbereiche, Eingangs-Pufferzonen, Quarantänebereiche und Warenannahmeabteilungen. - Welchen Einfluss hat das Verpackungsmaterial?
Beziehen Sie bei der Bewertung möglicher Expositionsmomente auch Paletten, Karton, Stretchfolie und Kisten mit ein. - Werden Messungen am Arbeitsplatz durchgeführt?
Führen Sie Messungen in Arbeitshöhe und bei logistischen Tätigkeiten durch, nicht ausschließlich im allgemeinen Raum.
Zu beachtende Punkte bei der Gefährdungsbeurteilung
Bei der Bewertung der EtO-Belastung in einem Lager ist es ratsam, nicht nur das Produkt zu betrachten. Berücksichtigen Sie auch die folgenden Faktoren:
- Verpackungsart
- Palettenaufbau
- Lagerdauer
- Umschlag
- Luftströmungen
- Belüftung
- Arbeitsplatz
- Aufenthaltsdauer der Mitarbeiter.
Durch die gemeinsame Bewertung dieser Faktoren entsteht ein realistischeres Bild der tatsächlichen Expositionsrisiken.
Häufig gestellte Fragen
- Kann EtO auch aus Verpackungen austreten?
Ja. EtO kann nach der Sterilisation sowohl aus den Produkten als auch aus den Verpackungen, in denen diese gelagert werden, weiter ausgasen. - Sind Paletten oder Stretchfolie selbst die Quelle von EtO?
Nein. Sie enthalten kein Ethylenoxid, können jedoch Einfluss darauf haben, wie das Gas während logistischer Vorgänge zurückgehalten wird oder freigesetzt wird. - Warum ist das Öffnen von Kartons ein wichtiger Moment?
Beim Öffnen von Verpackungen kann sich angesammeltes EtO freisetzen, wodurch lokal höhere Konzentrationen entstehen können. - Warum sind Hotspots wichtig?
Die durchschnittliche Konzentration in einem Lager sagt nicht immer etwas über die Exposition am Arbeitsplatz aus. Hotspots vermitteln ein besseres Bild der tatsächlichen Situation. - Welche Logistikbereiche erfordern besondere Aufmerksamkeit?
Anlieferungsrampen, Zwischenlagerbereiche, Kommissionierbereiche, Qualitätssicherungsräume, Retourenabteilungen und Orte, an denen Verpackungen geöffnet werden.
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Eine gründliche Bestandsaufnahme beginnt mit der Betrachtung des gesamten logistischen Kontexts.
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